Familie Cryptophagidae

ColeopteraPolyphagaTarsen-5-5-5
Von Arved Lompe (n. G.A. Lohse, C. Johnson)
Eine Familie mit zahlreichen, z. T. einander sehr ähnlichen Arten von länglich ovaler oder gestreckter, seltener rundlicher oder zylindrischer Gestalt, deren Länge nur selten 3,5 mm, niemals 5,5 mm überschreitet. Die Fühler haben eine locker gegliederte, drei- oder selten zweigliedrige Endkeule. Der Seitenrand des Halsschildes besitzt oft auffällige Modifizierungen. Sämtliche Tarsen mit 5 Gliedern oder bei den ♂ einiger Gattungen an den Hinterbeinen mit 4 Gliedern. Vorderhüften kugelig oder quer und kaum aus den Hüfthöhlen vortretend, Hinterhüften in der Mitte mehr oder weniger breit getrennt. Bauch mit 5 sichtbaren Sterniten.
Die zahlreichen Arten leben vorzugsweise auf faulenden und schimmelnden Pflanzenstoffen, seltener in hohlen Bäumen, in Nestern oder an Pilzen. Eine Reihe von Arten lebt synanthrop in Kellern, Ställen, Vorratslagern.
#1
→ 2Stirn und Clypeus liegen in einer Ebene. Fühler am Seitenrand des Kopfes eingefügt [Abb. 1] (Kopf von oben und seitlich).
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Abb. 1
→ 15-Die Stirn bildet von oben gesehen einen +/- abgerundeten Vorsprung, der nach vorn gegen die wesentlich tiefer gelegene Oberlippe ziemlich steil abfällt. Dieser Steilabfall ist als der eigentliche Clypeus anzusehen. Fühler am Vorderrand der Stirn zwischen den Augen eingefügt [Abb. 2]. Tribus Atomariini.
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Abb. 2
#2
Hypocoprus Motschulsky, 1839🗺ColeowebKopf frei, Schläfen so lang wie die Augen [Abb. 3]. Pygidium sichtbar. Sehr klein, 1-1,2 mm. Monotoma-ähnlich. Unterfamilie Hypocoprinae, Tribus Hypocoprini.
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Abb. 3
→ 3-Kopf tief in den Halsschild eingelassen und ohne sichtbare Schläfen. Hinterleib von den Flügeldecken vollständig bedeckt. Größe und Aussehen unterschiedlich.
#3
→ 4Das 2. und besonders das 3. Tarsenglied auf der Unterseite in einen Lappen verlängert [Abb. 4] [Abb. 5]. Tribus Telmatophilini.
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Abb. 4
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Abb. 5
→ 5-Tarsen einfach, ganzrandig, nicht gelappt. Tribus Cryptophagini.
#4
Cryptophilus Reitter, 1874Flügeldecken zwischen der dichten Punktur mit deutlichen, reihig gestellten Punkten [Abb. 6]. Hierher eine Cryptophagus-ähnliche Art, welche wegen der geschlossenen Vorderhüfthöhlen bei den Languriidae eingeordnet ist, oft aber für eine Cryptophagide gehalten wird, vergleiche Gattung
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Abb. 6
Telmatophilus Heer, 1841🗺Coleoweb-Flügeldecken ohne Spuren von Punktreihen [Abb. 7].
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Abb. 7
#5
Pharaxonotha Reitter, 1875🗺ColeowebOberseite kahl erscheinend, nur mit mikroskopisch erkennbarer Behaarung. Flügeldecken mit Punktstreifen, Halsschild jederseits an der Basis mit einem eingegrabenen Längsstrichel. Familie Languriidae, Gattung
→ 6-Flügeldecken ohne Punktstreifen oder sehr selten mit Streifen, dann aber dicht und deutlich behaart.
#6
Leucohimatium Rosenhauer, 1856🗺ColeowebFlügeldecken gestreift und dicht behaart, Körper sehr langgestreckt, Lyctus-ähnlich. Familie Languriidae, Gattung
→ 7-Flügeldecken ohne Streifen, verworren punktiert.
#7
→ 8Etwas größere Arten von 3,5-5 mm. Seitenkante des Halsschilds glatt, die Vorderwinkel einfach abgerundet.
→ 9-Kleinere Arten von 1,2-3,5 mm. Die Vorderwinkel schräg abgestutzt oder napfförmig erweitert oder die Seitenkante des Halsschilds gekerbt, gezähnt oder gewellt.
#8
Antherophagus Dejean, 1821🗺ColeowebDie feine Seitenrandlinie des Halsschilds vor den etwas verdickten Vorderecken nach innen gebogen und vorn einen schmalen Wulst abgrenzend, hinter den vom Halsschildvorderrand etwas abgerücken Augen mit erkennbaren Schläfen [Abb. 8]. Habitus [Abb. 9].
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Abb. 8
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Abb. 9
Macrophagus Motschulsky, 1845🗺Coleoweb-Die feine Seitenrandlinie bis zu den abgerundeten Vorderecken in gleichem Abstand zur Seitenkante verlaufend. Augen nicht vom Vorderrand des Halsschilds abgerückt, Schläfen nicht erkennbar. Familie Languriidae, Gattung
#9
Spavius Motschulsky, 1844🗺ColeowebOberseite nur mikroskopisch fein behaart, Flügeldecken kahl erscheinend, äußerst fein und weitläufig punktiert [Abb. 10]. Halsschildvorderwinkel schräg abgestutzt, Seitenrand glatt. (=Emphylus Er.)
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Abb. 10
→ 10-Oberseite deutlich behaart und deutlich punktiert.
#10
→ 11Vorderecken des Halsschilds nicht verdickt, Halsschildseiten gezähnt, gekerbt oder dreibuchtig gewellt. Flügeldecken mit ± vollständigen Nahtstreifen.
→ 13-Vorderecken des Halsschilds verdickt oder ,,napfförmig" erweitert, vorspringend [Abb. 11], andernfalls Flügeldecken nur auf der hinteren Hälfte mit einem Nahtstreifen und der Halsschildseitenrand mit einem Zähnchen etwa in der Mitte.
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Abb. 11
#11
Paramecosoma Curtis, 1833🗺ColeowebSeitenrand des Halsschilds dreibuchtig gewellt, Halsschild viel schmäler als die Flügeldecken und nur wenig breiter als lang [Abb. 12]. Endglied der Fühlerkeule stark asymmetrisch.
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Abb. 12
→ 12-Seitenrand des Halsschilds gezähnt oder gekerbt, Halsschild mindestens eineinhalb mal so breit wie lang, kaum schmäler als die Flügeldecken.
#12
Pteryngium Reitter, 1888🗺ColeowebKörper abgeflacht, mittlere Fühlerglieder quer (♀) oder so lang wie breit (♂), Halsschild deutlich, aber etwas feiner gezähnt als bei Henoticus(~12 Zähne [Abb. 13]). Oberseite durch die feine und dichte Punktierung matt [Abb. 14]. Halsschildbasalfurche undeutlich, die Basis ist wie der übrige Halsschild punktiert.
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Abb. 13
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Abb. 14
Henoticus C. G. Thomson, 1868🗺Coleoweb-Körper gewölbt, mittlere Fühlerglieder mindestens so lang wie breit, Halsschildseiten kräftig gezähnt (8-9 Zähne [Abb. 15]), Oberseite grob punktiert mit größeren glänzenden Zwischenräumen [Abb. 16]. Zwischen den Punktgruben an der Halsschildbasis eine tiefe, glatte und glänzende, unpunktierte Basalfurche.
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Abb. 15
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Abb. 16
#13
Spaniophaenus Reitter, 1875Erstes Fühlerglied schwach verdickt, Halsschildvorderrand neben den Vorderwinkel tief ausgeschnitten [Abb. 17].
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Abb. 17
→ 14-Erstes Fühlerglied kräftig verdickt, Halsschildvorderrand neben den Vorderwinkeln höchstens schwach ausgebuchtet.
#14
Cryptophagus Herbst, 1792🗺ColeowebWangen unter den Augen breit und nach vorne in einen Fortsatz ausgezogen [Abb. 18]. Halsschildseitenrand zwischen Vorderwinkelverdickung und Basis glatt oder fein gekerbt; vor, in oder hinter der Mitte mit einem stärker vorspringenden, nur selten undeutlichen Lateralzahn [Abb. 19]. Bei Cryptophagus montanus [Abb. 20] kann sowohl die Vorderwinkelverdickung als auch der Seitenzahn sehr undeutlich sein.
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Abb. 18
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Abb. 19
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Abb. 20
Micrambe C. G. Thomson, 1863🗺Coleoweb-Wangen unter den Augen schmal [Abb. 21], ohne Fortsatz. Halsschildseitenrand zwischen Vorderwinkelverdickung und Basis deutlich fein gezähnelt, aber ohne kräftiger vortretenden Lateralzahn [Abb. 22]. Anmerkung: Die Reihenfolge der Merkmale wurde geändert, weil bei Cryptophagus immer mal Exemplare vorkommen, bei denen der Seitenzahn mit der Vorderwinkelverdickung verschmolzen ist [Abb. 23] [Abb. 24].
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Abb. 21
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Abb. 22
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Abb. 23
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Abb. 24
#15
→ 16Körper ± gestreckt, Halsschild und Flügeldecken mit gesonderter Wölbung, Oberseite deutlich behaart, Schildchen quer.
→ 18-Körper kurz eiförmig [Abb. 25], Halsschild und Flügeldecken in einer Flucht gewölbt, Oberseite fast kahl. Fühlerkeule 3-gliedrig, Schildchen nicht breiter als lang.
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Abb. 25
#16
Caenoscelis C. G. Thomson, 1863🗺ColeowebSeitenrand des grob und ziemlich gedrängt punktierten Halsschilds verdickt, innen durch eine gesonderte, kielförmig erhabene, in der Hinterhälfte meist weiter vom Seitenrand abgerückte feine Linie begrenzt (schräg von der Seite am besten zu erkennen [Abb. 26]). Körper dicht behaart, recht matt, gelbrot, Cryptophagus-ähnlich [Abb. 27].
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Abb. 26
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Abb. 27
→ 17-Halsschild nur mit der feinen, unmittelbar neben oder im Seitenrand verlaufenden Seitenrandlinie. Körper wenig dicht behaart, meist etwas glänzend.
#17
Sternodea Reitter, 1875🗺ColeowebFühlerkeule 2-gliedrig, Halsschild grob und sehr dicht punktiert.
Atomaria Steph., 1829-Fühlerkeule 3-gliedrig.
#18
Ootypus Ganglbauer, 1899🗺ColeowebProsternalfortsatz ungerandet, der Mesosternalfortsatz reicht bis zur Mitte der Mittelhüften, Hinterhüften wenig breit getrennt.
→ 19-Prosternalfortsatz an den Seiten gerandet, der Mesosternalfortsatz erreicht nicht die Mittelhüften, Hinterhüften breit getrennt [Abb. 28].
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Abb. 28
#19
Ephistemus Stephens, 1829🗺ColeowebFühlerkeule unsymmetrisch [Abb. 29]. Tiefe Fühlergruben auf der Unterseite von Kopf und Halsschild [Abb. 30]. Halsschildhinterrand fast halbkreisförmig. Schildchen sehr klein, am Ende zugespitzt.
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Abb. 29
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Abb. 30
Curelius T. L. Casey, 1900🗺Coleoweb-Fühlerkeule symmetrisch. Ohne Antennengruben auf der Unterseite von Kopf und Halsschild [Abb. 31]. Halsschildhinterrand mehr gerade, Schildchen groß und quer.
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Abb. 31
Enthaltene TaxaAntherophagusAtomariaCaenoscelisCryptophagusCryptophilusCureliusEphistemusHenoticusHypocoprusLeucohimatiumMacrophagusMicrambeOotypusParamecosomaPharaxonothaPteryngiumSpaniophaenusSpaviusSternodeaTelmatophilus
Erstellt am: 31.03.2013 · Letzte Aktualisierung: 21.01.2026 - 17:48:58
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